Historie

Es war einmal vor etwa 20 Jahren. In einer Zeit, als Vielweiberei, Trunksucht und Dekadenz hoch im Kurs standen, haben sich ein paar verwegene Jünglinge zusammengetan und die "Mehlsäcke" gegründet. Allesamt waren wir eingefleischte Gotthilf Fischer Fans und die Wiener Sängerknaben dienten uns als Vorbild. Noch eine wichtige Gemeinsamkeit hatten wir, nämlich verspürten wir den nicht zu bändigenden Drang, auf einen möglichst Lärm erzeugenden Gegenstand einzudreschen. Unser erster Trommelprototyp bestand aus einer Blechmülltonne und Fahrradfelgen. Alle waren begeistert und 12 Mann investierten ihr letztes Hemd für eine sogenannte "Katze im Sack". Schließlich bauten wir uns unsere Trommeln selbst aus Plexiglas, die wir übrigens noch heute malträtieren. Kostüme nähten uns die bekannten Spitzenklöpplerinnen aus Oberammergau für einen Apfel und ein Ei.

Ein paar Proben in einer kleinen Gartenhütte genügten uns, um uns mit unseren futuristisch anmutenden, durchsichtigen Glastrommeln unter das Rutenfestvolk zu mischen. Zunächst brachte uns das viel böse Kritik ein, doch in der Bevölkerung kamen wir gleich gut an, da man uns vermutlich die Spielfreude richtig angesehen hatte, wir damals schon keinen Alkohol getrunken und uns im Bärengarten - wie auch heute noch - budelnacket ausgezogen haben.

Nach 5 Jahren haben wir auf der Oberschwabenschau beim Vorwerk-Stand entschieden, auf Dudelsäcke umzusteigen. Zuerst hatten wir 3 Jahre auf Elektropianos geübt, aber plötzlich wurde uns klar, daß am Rutenfest-Umzug die Verlängerungskabel nicht reichen würden. Mit den Dudelsäcken sind wir dann aber groß ins Geschäft eingestiegen (Grand Prix de la Chanson 1.Platz, Oscar für beste Filmmusik, 13 Wochen Platz 1 der US-Charts. Diese Liste ließe sich beliebig erweitern, doch belassen wir es dabei. Seither spielen wir ca. 1500 Auftritte im Jahr, vorwiegend nachts und im Ausland, da wir alle tagsüber ja zur Arbeit müssen.

 

Wir arbeiten übrigens alle als Goldschürfer im Höllbach, wo wir uns deshalb vor 8 Jahren aus 48 Wohnwagen ein Vereinsheim zusammengeschustert haben. Dort findet auch seit 1998 das seit ewigen Zeiten bekannte RutenRaus statt. Mit Rutenmaß und der berühmten Rutenwurst und dem noch berühmteren Wurstwagen nebst den schrecklichen SMV - Dj´s U. + D.

Am Rutenfest selbst sind wir natürlich streng unterwegs. Ab Freitagmittag sind wir weg vom Fenster. In den folgenden 4 Nächten sollten 2 Stunden Schlaf auf keinen Fall überschritten werden. Wichtigste Stationen sind Freitagabend das Ravenspurgiafest in der Schulgass´ hinterm Waldhorn , Samstagabend Freischwimmerabzeichen im Schadbrunnen, Montagmorgen Umzug mit Schafen und Raubrittergruppe, Montagabend Bärengartenauftritt mit flächendeckender Gummibärenberieselung sowie den ganzen Dienstag im Bärengarten zum Endspurt.

Natürlich schließen auch die meisten von uns täglich den Bärengarten ab, nicht ohne dem Sicherheitstrupp aber noch mal kräftig auf die Nerven zu gehen. Genau so wird es wohl ewig weitergehen, sofern uns nicht der Fußpilz dahinrafft. Rollstühle haben wir jedenfalls schon bestellt und unsere im Schnitt ca. 25 Jahre jüngeren Frauen haben uns versprochen, uns auch in schlechten Zeiten in den Bärengarten zu schieben.